Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Stuttgarter Psychotherapietage sind seit fast dreißig Jahren ein bewährtes Forum für qualifizierte psychotherapeutische Fortbildung. Die Tagung bietet informative Vorträge renommierter Referenten, praxisorientierte Workshops, regt zu lebhaften Diskussionen an und gibt wie alle lebendigen Kongresse auch reichlich Gelegenheit zum „informellen“ Gedankenaustausch.


Gegründet wurden die Therapietage von Dr. Fred Christmann und der Stiftung Psyche. Im letzten Jahr fand der Kongress erstmals gemeinsam mit dem Schattauer Verlag statt, und ab der kommenden Tagung soll diese Tradition durch die Zusammenarbeit mit der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Tübingen weitergeführt und auch geographisch durch das Einzugsgebiet Tübingen/Neckar-Alb erweitert werden. Dr. Christmann und seinem Team sei an dieser Stelle ganz herzlich für die erfolgreiche Aufbauarbeit gedankt – und für sein Vertrauen, diese Tagung jetzt in neue organisatorische Hände zu übergeben. Gewissermaßen als „Mitgift“ bringen Schattauer und die Tübinger Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ein bedeutendes Netzwerk an Wissenschaftlern und Autoren mit, sodass die hochkarätige Besetzung der Tagung unter einem neuen didaktischen Format weiterhin gewährleistet ist.


Das Thema der diesjährigen Therapietage dreht sich um das, was Psychotherapie „… im Innersten zusammenhält“, nämlich jene Wirkfaktoren, die unabhängig von therapeutischen Schulen und Methoden ermöglichen, dass dysfunktionale Einstellungen und Verhaltensweisen überwunden und neue, adäquate und selbstbestimmte Entwicklungen gefunden werden. Die Zeiten, in denen Psychotherapie mehr Konfession als Profession zu sein schien, sind glücklicherweise vorbei. Mit zunehmender praktischer Erfahrung werden die Interventionen und Haltungen der Therapeuten unterschiedlicher Schulen deutlich ähnlicher: Analytiker geben ihren Patienten bisweilen Hausaufgaben, Verhaltenstherapeuten deuten auch mal einen Traum und Gesprächspsychotherapeuten geben ihren Klienten gelegentlich „direktive“ Verhaltensempfehlungen.


In den letzten Jahren wurde immer öfter darüber nachgedacht und untersucht, was denn mögliche Gemeinsamkeiten einer guten und wirksamen Psychotherapie sind. Als ein Ergebnis zeichnete sich ab, dass diese maßgeblich in der Qualität der Beziehung zwischen Patient und Therapeut liegen. Die Begriffe „Wirkfaktoren“ und „schulenübergreifend“ wurden zu den Wegweisern einer neuen Orientierung in Forschung und Praxis. Die Kunst bleibt, nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten, sondern das eigene therapeutische Tun immer wieder kritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Dafür braucht es balancierte Selbstreflektion und Dialogbereitschaft.


Mit den 27. Stuttgarter Psychotherapietagen greifen wir diesen Anspruch auf und möchten einen Rahmen hierfür anbieten und fördern: Renommierte Forscher und Praktiker unterschiedlicher psychotherapeutischer Provenienz geben einen aktuellen Überblick über die wesentlichen Grundlagen ihrer Methoden, Techniken und Haltungen. Dabei geht es nicht um Alleinvertretungsansprüche, sondern das Ziel ist, wirksame Gemeinsamkeiten und Varianzanteile zu finden, statt polarisierende Abgrenzungen zu konstruieren.


Wir laden Sie herzlich nach Stuttgart zu dieser spannenden Synopse bewährter psychotherapeutischer Ansätze ein und freuen uns, mit Ihnen und den Referenten eine fruchtbare Diskussion der Wirkfaktoren zu führen, die für eine gelingende therapeutische Beziehung hilfreich sind - und somit für Ihre tägliche therapeutische Praxis von Relevanz sein sollte.


Mit freundlichen Grüßen​

Unterschrift Bertram

Unterschrift Zipfel

Wulf Bertram, Stuttgart

Stephan Zipfel, Tübingen


GrußwortStephan Zipfel, Tübingen & ​Wulf Bertram, Stuttgart


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